Gesundheitsvorsorge wird zum Wachstumsfaktor

In Stuttgart diskutierten Experten über die Notwendigkeit des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Gesundheitsförderung. Da gesunde Mitarbeiter zufriedener und leistungsfähiger seien, wirke sich jedes Engagement direkt auf den Unternehmenserfolg aus. Doch im Gegensatz zur betrieblichen Altersversorgung sei das Thema vor allem in mittleren Unternehmen kaum bekannt. Vermittler könnten es jedoch nutzen, um zum Jahresanfang einen Einstieg in das qualifizierte Gruppengeschäft mit Firmen und kollektiven Verträgen zu finden.

In der ausgebuchten Veranstaltung „Betriebliches Gesundheitsmanagement als Chance“ begrüßte Professor Dr. Bernd Brüggenjürgen, Leiter des SDK-Institut für Gesundheitsökonomie, Ende Januar in Stuttgart rund 150 Zuhörer des Symposiums 2012. Dies war bereits das dritte Treffen der jährlichen Veranstaltung zum Thema betriebliche Gesundheitsvorsorge, das als Säule neben der betrieblichen Altersvorsorge zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Brüggenjürgen definierte zunächst betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und Gesundheitsförderung (BGF). Die BGF betone stärker die individuelle aktive Beteiligung von Beschäftigen. Die Arbeitnehmer wollen ihre Gesundheit nicht nur „gemanagt“ haben, sondern selbst mitentscheiden, wo sie die Schwerpunkte in der Prävention und in der Gesundheitsförderung setzen können und wollen.

Hohe Einsparungseffekte werden realisiert

Nach der Einführung eines Förderprogramms für die Gesundheit der Beschäftigten würden erste Erfolge bereits kurzfristig sichtbar. Innerhalb von drei bis vier Jahren lasse sich eine sehr deutliche Verringerung der durch Krankheit verursachten Kosten nachweisen, langfristig bewirken solche Programme vermutlich einen noch viel größeren Effekt, prognostizierte Brüggenjürgen.

Die Investition der Unternehmen für solche Programme bewirke einen Einsparungseffekt, der mehr als doppelt so hoch wie die investierte Summe liege. Die Einsparungen aus weniger Abwesenheitszeiten durch erkrankte Arbeitnehmer übersteige der Ertrag aus der Investition um mehr als das Zehnfache. Nachhaltigkeit sei kein Kostenfaktor, wie so oft fälschlich angenommen würde, sondern ein echter Ertragsfaktor, betonte Brüggenjürgen.

Betriebliche Gesundheitsvorsorge wächst in Deutschland

In Deutschland verfügen vor allem international tätige Konzerne über ein Gesundheitsmanagement und Programme zur Gesundheitsförderung. Professor Dr. Uwe Brandenburg, Leiter des zentralen Gesundheitswesen bei der Volkswagen AG, erläuterte Chancen und Grenzen der betrieblichen Möglichkeiten.

Die Chancen für ein Unternehmen, das nach Höchstleistungen strebt, liegen laut Brandenburg in der Förderung der Zufriedenheit seiner Mitarbeiter. Gesundheit zu fördern und den Erkrankten optimal zu helfen, kann nur über ein ganzheitliches Konzept für alle Beschäftigte erreicht werden. Dazu zähle der Schutz vor Mobbing am Arbeitsplatz ebenso, wie das Fördern von freiwilliger Teilnahme an Angeboten der gesundheitlichen Prävention.

Die Grenze sei eine Art von „Fetischismus“ für Fitness, oder einen Gesundheitskult zu erzeugen. Solche Übertreibungen würden eher kontraproduktiv wirken, verdeutlichte Brandenburg als Experte für Arbeitsmedizin.

Netzwerk geschaffen

In der Gesundheitsförderung vernetze sich Volkswagen mit Sozialversicherungs-Trägern, der Wissenschaft und privatwirtschaftlichen Anbietern. Dies gelte vom Integrationsmanagement in der Phase der beruflichen Wiedereingliederung nach schweren Erkrankungen bis zur Information und Hilfe bei Früherkennung, Prävention und Gesundheitsförderung.

Brandenburg nannte als Beispiele, wie „gesunde“ Mitarbeiter die „Gesundheit“ des Unternehmens stärken, den niedrigen Krankenstand, weniger Arbeitsunfälle, geringe Fluktuation, größeres Engagement der Mitarbeiter und eine steigende Arbeitsproduktivität.

Weniger allgemein bekannt seien der höhere Markenwert durch die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen, die Arbeitgeberattraktivität durch den angebotenen gesundheitlichen Zusatznutzen und das gute Unternehmensimage aus gelebter sozialer Verantwortung.

„Privatgesetzlich“ als Chance für Gruppenversicherungen

Das Management betrieblicher Gesundheitsvorsorgungen könne durch die gebündelte Kompetenz aus einer Hand entlastet werden.

Andrea Neid, Fachbereichsleiterin der Mhplus Krankenkasse, und Andreas Treitz, Leiter Firmenkunden und Vorsorge der SDK, brachten die Vorteile der seit 2009 bestehenden Kooperation zwischen einer gesetzlichen Kasse und einer privaten Krankenversicherung auf den Punkt. Leistungsabwicklungen werden einfacher, obwohl die Leistungen selbst umfangreicher sind.

Zum Angebot „Mitarbeitervorsorge“ zähle neben der betrieblichen Altersvorsorge und der betrieblichen Gruppen-Unfallversicherung jetzt auch die betriebliche Krankenversicherung über gesetzliche Krankenkassen mit passgenauem ergänzenden Privatschutz aus Gruppenverträgen privater Krankenversicherer.

Rabatte für Gruppenvertrag

Die Prozesse werden für die Personalabteilungen der Arbeitgeber unbürokratisch und kostengünstig. Für die Arbeitnehmer winken aufgrund des Gruppenvertrages hohe Rabatte gegenüber Einzelverträgen und vereinfachte Gesundheitsfragen. Rabatte für ergänzende private Zusatzpolicen gäbe es auch für die Familienangehörigen der gruppenversicherten Beschäftigten.

Der Trend, sich als Arbeitnehmer Versicherungen günstig über den Arbeitgeber zu kaufen, vermehre auch die Chancen für spezialisierte und kompetente Versicherungsvermittler, sich über das Firmen- und Gruppengeschäft neue Kundenkreise nachhaltig zu erschließen. Die Berater für die betriebliche Mitarbeitervorsorge könnten die Kundenkontakte zumeist für weitere Versicherungsangebote nutzen.

Termin 2013 für noch mehr Teilnehmer steht fest

Nach der Veranstaltung wurde gemeldet, dass die für die Teilnehmer kostenfreie Veranstaltung für den 24. Januar 2013 in Stuttgart bereits fix terminiert sei. Das vierte Symposium solle im „Stuttgarter Haus der Wirtschaft“ stattfinden, damit nächstes Jahr noch mehr interessierte Besucher teilnehmen können.

Quelle:

VM

Dietmar Braun

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