Was 2012 auf die Versicherungsbranche zukommt

Auch in diesem Jahr hat der Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen, Dr. Marc Surminski, wieder in die Versicherungszukunft geschaut und überraschende Entwicklungen und Ereignisse vorhergesehen. Sein nicht ganz ernst gemeinter, gleichwohl bedenkenswerter Ausblick findet sich in voller Länge im aktuellen Heft 2/2012.

Auch in diesem Jahr haben viele Leser wieder den Wunsch geäußert, eine knappe Vorschau auf die wichtigsten Ereignisse des neuen Jahres zu geben, weil das nicht wenigen für ihre tägliche Arbeit hilfreich erscheint.

Vorsorglich soll darauf hingewiesen werden, dass die folgende Jahresvorschau möglicherweise in dem einen oder anderen Punkt nicht vollständig mit den Ereignissen des Jahres übereinstimmen wird. Dies bitten wir zu entschuldigen.

März

2012 ist das Jahr der überraschenden Karrieresprünge. Viele prominente Assekuranz-Manager wechseln ihr angestammtes Metier und machen etwas ganz Anderes. So gibt Peter M. Endres nach dem großen Erfolg seiner Ergo-Direkt-Fernsehwerbung den Vorstandsvorsitz des Direktversicherers ab und übernimmt als hauptberuflicher Schauspieler an der Seite von Veronica Ferres die Titelrolle im ZDF-Mehrteiler „Das Millionengrab“.

Auch Rolf-Peter Hoenen wechselt die Seiten: Der GDV-Präsident, bisher nur Eingeweihten als hervorragender Musiker bekannt, überrascht auf der Mitgliederversammlung des Verbandes als Pianist. Statt des angekündigten Grundsatzreferats über die Zukunft der deutschen Lebensversicherung spielt er Liszts „Totentanz“ in der Version für Klavier und Präsidialausschuss. Anschließend geht er auf Welttournee.

Den kühnsten Rollenwechsel des Jahres gibt es aber bei der Allianz: Der langjährige Finanzvorstand Paul Achleitner wird Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet.

Mai

In Berlin findet der erste deutsche Nichtzahlerkongress statt. Über 500 PKV-Versicherte nehmen daran teil. Sie informieren sich über die Möglichkeiten, auch in anderen Versicherungssparten Leistungen zu erhalten, ohne dafür zu bezahlen.

In Vorträgen zu Themen wie „Einmalbeitragspolicen – jetzt schon kündigen?“ oder „Wie optimiere ich meinen Bewertungsreservenanteil?“ geben namhafte Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Verbraucherschutz und organisierte Kriminalität nützliche Ratschläge. Fachforen und Workshops beschäftigen sich mit Themen wie „Versicherungsbetrug im Online-Zeitalter“ und „Brandstiftung – Quo Vadis?“.

In der kongressbegleitenden Ausstellung informieren Auffahrunfallspezialisten und Autobumser über ihre Tätigkeit; vor dem Gebäude parkt als innovativer Werbeträger eine Gliedertaxe des „Verbandes in Not geratener Unfallchirurgen e.V.“.

Juni

Auch 2012 kommt es wieder zu einigen spektakulären Großschäden. Weil die Wettermaschine einen Gang hochschaltet, wie es ein großer Rückversicherer formuliert, dominieren Naturkatastrophen das Jahr.

Nach einer langen Dürreperiode lösen Wutbürger in Baden-Württemberg einen gewaltigen Flächenbrand aus. Proteststürme kosten Facebook in ganz Westeuropa ein Viertel des Jahresgewinns. Nach einer nie zuvor in solcher Intensität beobachteten Torflut gerät der HSV unerwarteter Weise in die Champions League. Der GDV weist in diesem Zusammenhang darauf hin, wie wichtig eine Elementarschadendeckung ist.

Juli

Nach dem Skandal um eine Lustreise von HMI-Vertretern nach Budapest haben viele deutsche Versicherer über das System von Vergütungen und Incentives neu nachgedacht. Statt teurer Reisen zu exotischen Zielen ist bei den meisten nun eine neue Bescheidenheit angesagt.

So geht es für die besten Zurich-Vertreter 2012 nicht mehr nach Dubai, sondern sie fahren an den Point of Sale. Die Generali macht es ähnlich und veranstaltet eine GPS-Rally, um im Team gemeinsam nach dem Unique Selling Point zu suchen, der in der Nähe von Altwarmbüchen liegt. Die Top-Vermittler finden ihn zwar nicht, aber „der Weg ist das Ziel“, wie es später in der Hauszeitschrift zu diesem innovativen Event heißt.

Ergo hat eine Abenteuerreise zum Point of No Return gebucht, storniert aber in letzter Minute und steckt das Geld lieber in die Fernsehwerbung. Auch die Axa verzichtet auf alle Reisen und zahlt ihren Vertretern jeweils 29,50 Euro aus. Das ist umgerechnet der Betrag, den das Unternehmen im Vorjahr insgesamt für Incentives aufgewendet hatte. Die Vertretervereinigung beschließt, das Geld komplett für die Renovierung der Besuchertoilette Ost in der Kölner Hauptverwaltung zu spenden.

September

Nach dem Ergo Direkt im vergangen Jahr erstmals eine Zahnzusatzversicherung angeboten hatte, die auch für bereits vorhandene Zahnschäden leistet, kommt die Provinzial Brandkasse Kiel nun mit einem weiteren revolutionären Produkt auf den Markt: Sie versichert ab September auch brennende Häuser.

Dadurch sollen neue Kundengruppen angesprochen und der Marktanteilsabrieb in der Kernsparte Wohngebäude gestoppt werden. Die Police kann unbürokratisch bei der zum Löscheinsatz eintreffenden Feuerwehr abgeschlossen werden, die für das Produkt exklusiv als neuer Vertriebspartner der Brandkasse gewonnen wurde

„Wenn sich alle Brandstifter finanzrationell verhalten, lohnt sich das Produkt für uns natürlich nicht“, räumen die Kieler auf Nachfrage ein. Insgesamt soll sich das neue Konzept aber dauerhaft positiv auf die Cross-Selling-Quote und die Aufklärungsrate bei Brandstiftungen in Schleswig-Holstein auswirken.

November

Vergleichsportale im Internet erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Nach einer Welle von Neugründungen in 2012 hat am Ende nahezu jeder Autoversicherer in Deutschland sein eigenes Portal. Dort vergleichen sie sich mit den anderen Portalen und kommunizieren darüber auf Facebook und Twitter.

Durch die vielen neuen Portale wird der Markt zunehmend intransparent; deshalb entstehen sogenannte „Meta-Portale“, auf denen die Vergleiche der normalen Portale verglichen werden können. Das Konzept steckt noch in den Anfängen, viele Berater halten es aber für vielversprechend.

Dezember

Die PKV leidet unter rückläufigen Provisionsexzessen. Auch das Umdeckungskarussell, traditionell wichtigster Garant für Wachstum in der Vollversicherung, dreht sich nur noch langsam. Die Abschlussaufwendungen sinken branchenweit so stark, dass die großen Vermittlerverbände Alarm schlagen. Stattdessen erreicht die Bestandsfestigkeit bedenkliche Höhen – und immer mehr Vermittler ziehen sich frustriert aus dem Geschäft zurück.

Zum Ende des Jahres finden einige Versicherer im Schulterschluss mit renommierten Vertriebsrechtlern endlich eine Methode, um den gesetzlich vorgeschriebenen Provisionsdeckel wieder anzuheben. Langsam erholt sich das Umdeckungsgeschäft; aber erst kurz vor der Bundestagswahl 2013 findet es zurück zu alter Stärke.

Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen

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