Betriebliche Altersvorsorge contra Demografie

Einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson zufolge erwarten die Personalverantwortlichen größerer Unternehmen erhebliche Schwierigkeiten, generell Nachwuchs und speziell Talente zu gewinnen und dauerhaft ans Unternehmen zu binden. Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ist ein wichtiges Instrument, dessen Bedeutung mittelfristig steigen wird.

Das Beratungsunternehmen Towers Watson hat Personal- oder „Demografieverantwortliche“ von 35 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Größen befragt, darunter auch 26 Prozent Finanzdienstleister (Versicherungen und Banken). Im Durchschnitt werden 20.000 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt.

Bald fehlen die Arbeitskräfte

Die Diagnose ist, dass das Potenzial an Erwerbstätigen in Deutschland aufgrund der demografischen Entwicklung besonders schnell sinken wird. Nur die Japaner altern unter den großen Industrienationen noch schneller als wir, aber knapp ein Drittel Über 65-Jährige im Jahr 2050 sind keine beruhigende Aussicht für Personalverantwortliche.

Denn je nach Prognose wird die Zahl der Erwerbstätigen von heute rund 44 Millionen Personen bis 2050 auf 28 bis 39 Millionen sinken, letzteres unter der unrealistischen Annahme einer starken Zuwanderung nach Deutschland.

Mittel gegen Demografie bestehen

Den Personalmanagern sind diese Zusammenhänge offenbar durchaus geläufig. Alle Befragten sehen jetzt schon das Problem, generell Nachwuchs-Mitarbeiter und speziell Talente darunter zu finden. Vier von fünf sehen ein Problem in der zunehmenden Überalterung der Belegschaft, zwei Drittel erwarten eine sinkende Leistungsfähigkeit. Knapp über die Hälfte erwartet ein steigendes Gehaltsniveau.

Auch glauben sechs von zehn Personalmanagern, dass man der Demografie ein Schnippchen schlagen kann, wenn man geeignete Maßnahmen ergreift.

Eine Mehrheit handelt noch nicht

Von der Erkenntnis zur Handlung ist es in diesem Fall allerdings noch ein weiter Weg. Erst 21 Prozent der Befragten geben ab, entsprechende Maßnahmen bereits ergriffen zu haben, weitere neun Prozent planen solche. Der Rest begnügt sich bisher damit, Informationen zur demografischen Herausforderung zu sammeln und entsprechende Risiken zu analysieren.

Gründe dafür werden in der generell schwierigen Messbarkeit langfristiger Maßnahmen und der dadurch bedingten schwierigen Durchsetzbarkeit gesehen. Auch vermisst die Hälfte der Personalverantwortlichen einen entsprechenden Rückhalt durch ihre Unternehmensleitung.

Gesundheit und Altersvorsorge Kernthemen

Vier von fünf Unternehmen sehen künftig Risiken und entsprechenden Handlungsbedarf im Bereich der Gesundheitsvorsorge. Sieben von zehn sehen dasselbe bei der Work Life Balance, also der Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit. Mit 69 Prozent etwa eben so viele erwarten Risiken und die Notwendigkeit zur Handlung im Bereich der betrieblichen Altersversorgung.

Der Handlungsbedarf in der bAV wird von knapp der Hälfte der Befragten erst mittelfristig mit einem Horizont von zwei bis fünf Jahren gesehen, von 20 Prozent langfristig, neun Prozent kurzfristig.Zwei Drittel glauben, dass traditionelle Lösungen in der Gesundheitsvorsorge überdacht werden müssen. 53 Prozent sehen die gleiche Notwendigkeit in der bAV.

bAV wird immer wichtiger

Towers Watson-Berater Jürgen Helfen weist darauf hin, dass die bAV schon heute einen außerordentlich hohen Stellenwert in den Unternehmen genießt, der noch wachsen wird. „Künftig wird die bAV in Kombination mit Lebensarbeitszeitkonten und Altersteilzeit- oder Teilrentenmodellen noch viel stärker genutzt werden, um die rentennahen Arbeitsphasen sowie einen flexiblen Übergang in den Ruhestand zu gestalten.“

Dabei gehe es keineswegs nur darum, Mitarbeitern einen frühzeitigen, finanziell abgefederten Ausstieg aus dem Unternehmen zu verschaffen. Vielmehr werde es künftig auch wichtig werden, kompetente Mitarbeiter länger im Unternehmen zu halten, auch über das Ruhestandsalter hinaus. Deshalb sei es besonders wichtig, dass die Unternehmen sehr flexible bAV-Lösungen vorhalten, die unterschiedlichen Zielsetzungen gerecht werden.

Prof. Dr. Matthias Beenken
Quelle: VM 07.09.2011
VN:F [1.9.15_1155]
Rating: 1.0/10 (1 vote cast)
VN:F [1.9.15_1155]
Rating: 0 (from 0 votes)
Betriebliche Altersvorsorge contra Demografie, 1.0 out of 10 based on 1 rating