Warum die betriebliche Altersvorsorge immer noch so wenig verbreitet ist, Riester ach so „toll“ ist

Liebe Leser,

heute will ich etwas provokant eine Frage stellen und diese auch gleich beantworten.

Warum ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV) immer noch so wenig verbreitet, Riester aber so „toll“?

Antwort: Weil es bei Riester -, Basis-, oder Privaten Rentenverträgen schneller Provision gibt!

Und das ist schon das Problem. Ein Unternehmer (und auch ein Versicherungsvertreter ist dies) sollte immer Umsatz und gewinnorientiert arbeiten, sonst würde es ja keinen Sinn machen und er könnte seinen Laden nach kurzer Zeit abschließen. Bedeutet also auf die oben gestellte Frage, das der Unternehmer „Versicherungsverteter“  natürlich schneller Umsatz macht wenn er abends beim Kunden sitzt und ihm im Rahmen eines ausführlichen Beratungsgesprächs einen Riester etc. empfiehlt. Der Kunde folgt der Empfehlung denn die Gründe hierfür (immer geringerere Rente im Alter etc.) sind ja schlüssig und das Angebot auch. Der Vertrag wird geschlossen, geprüft, angenommen und nach spätestens 4 Wochen hat der Unternehmer „Versicherungsvertreter“ sein Lohn/Provision/Umsatz auf dem Konto. Somit können Büromiete, Mitarbeiter und Steuern etc. finanziert werden. Also, nicht mehr als konsequent und nachvollziehbar.

Gut, die Zahlungen im Rahmen eines Riestervertrages sind begrenzt auf maximal 2.100.- € pro Jahr und somit natürlich auch das Ergebnis am Ende. Aber für die Altersvorsorge ist ja etwas getan. Ach ja vergessen darf man natürlich auch nicht, immer brav an den Antrag zum Erhalt der Förderungen zu denken, im darauf folgenden Jahr, mit der hoffentlich zeitnah abgegebenen Steuererklärung. Dies ist im übrigen das gleiche System wie mit der Wohnungsbauprämie bei Bausparverträgen. Dieses System funktioniert so gut, das knapp eine Milliarde Euro an Förderungen nicht abgerufen werden! Diese riesige Summe kommt dadurch zustande, dass  Zulagen nicht beantragt werden oder nicht die nötigen Eigenbeiträge eingezahlt werden.  Dadurch werden die Zulagen anteilig gekürzt. Im Durchschnitt verschenkten die Sparer dadurch 140 Euro pro Vertrag, fand jetzt die Studie „Vorsorgeatlas Deutschland“ heraus, die vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Auftrag von Union Investment erstellt wurde.

Nun gut, wer böse ist könnte jetzt sagen, dann ist das ja ein prima Geschäft für den Staat. Denn wissen sollte man, das die Förderung von uns im voraus an den Staat gezahlt wird (über den Rentenversicherunsgbeitrag). Zusammenfassend: Unternehmer „Versicherungsvertreter“ ist zufrieden, Kunde zahlt brav immer im voraus seine Beiträge an „Riester“ und vergisst im Volumen von 1 Milliarde € seine eigenen Zulagen abzuholen, der Staat findet es prima, Herr Walter Riester und Bernd Rürup gehen zum „AWD“ und alle sind zufrieden!   „Geschmäckle“ ?

Nun kommen wir aber zur Kernfrage von oben zurück: Wenn im oben beschriebenen Prozess, der Umsatz rasch erzielt werden kann, ist es einfach zu schlussfolgern, warum, die seit dem 21.12.1974 im Rahmen des Betriebsrentengesetzes bestehenden bAV Varianten nur eine dezente Rolle spielen. Hier läuft der Prozess in aller Regel anders:

1. Ausschreibungen der Unternehmen 2. Angebotsabgabe/Bewerbung  3. Ansprache des Arbeitgebers   4. Prüfung im Unternehmen(Personalabteilung/Betriebsrat etc.)  5. Detailbesprechung 6. Rahmenvertragsvereinbarung   7. Prüfung des Rahmenvertrages    8. Genehmigung und Abschluss    9. Präsentation im Unternehmen/Mitarbeiterveranstaltung    10. Einzelgespräche mit den Mitarbeitern (je nach Größe des Unternehmens kann dieser Teil bis zu 3 Monaten dauern).    11. Aufnahme Antrag mit Mitarbeiter    12. Unterschrift des Arbeitgebers.

Zugegeben, umständlich im Handling, aber die Vorteile für die Unternehmen sowie die Mitarbeiter liegen klar auf der Hand. Lohnnebenkosten Ersparnis in 5 stelliger Höhe einerseits für den Arbeitgeber und deutlich höhere Förderungen für die Mitarbeiter- „geschenktes Geld vom Chef“! Alles in allem kann dieser Prozess auch einmal ein Jahr dauern, bis der Unternehmer „Versicherunsgvertreter“ sein Umsatzt/Gehalt/Provision erhält.  Die Antwort „warum die betriebliche Altersvorsorge immer noch so wenig verbreitet ist“ beantwortet sich so fast von selbst.

Für den Kunden nicht gerade die beste Situation. Warum? Wenn Riester im voraus gezahlt wird und die Zulage nur auf Antrag nach einem Jahr im Rahmen der Steuererklärung ausgezahlt wird, wie ist das eigentlich bei der betrieblichen Altersvorsorge?

Antwort: Das gibts hier gar nicht! Hier wird gezahlt, monatlich und die „Zuschüsse“ werden ohne Antrag monatlich gewährt! Keiner kann was vergessen, keiner muss ein Jahr warten und der Staat bleibt nicht auf seinen Zulagen sitzen! 😉

Betrachtete man jetzt noch, das seit dem 01.01.2002 ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf bAV für jeden Angestellten besteht und bei gleichem Rentenanspruch wie bei Riester i.d.R. deutlich weniger Eigenbeitrag in der bAV vom Mitarbeiter getragen wird sowie ein weiterer Anspruch auf Portabilität/Mitnahme zur Verfügung steht, der Arbeitgeber in aller Regel, auch noch was nettes davon hat (optimierte SV-Kosten), reduziert sich die Antwort auf die Frage von oben, eigentlich wieder nur, auf den beschriebenen Prozess.

Schade!,  für den Kunden.

Herzlichst Grüßt

Alexander Leuthner

Spezialist für betriebliche Vorsorge Konzepte

 

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