Die Vernachlässigung der bAV

Nur wenige Arbeitnehmer nutzen ihren Anspruch auf eine private Zusatzrente. Gründe: fehlendes Angebot trotz gesetzlichen Anspruchs, Informationsmangel und Überschätzung der eigenen Bezüge im Alter.

Nur 38 Prozent der Deutschen haben eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen. Zum Vergleich: 68 Prozent setzen auf eine private Absicherung im Alter. Etwa jeder Dritte (32 Prozent) erklärt allerdings auch, dass sein Arbeitgeber, trotz gesetzlicher Vorschrift, keine betriebliche Altersvorsorge anbietet. Jeder Zehnte hat sich bewusst gegen einen Abschluss entschieden. So lautet das Ergebnis einer Studie der Fondsgesellschaft Fidelity International. Sie wurde vom Psephos Institut für Markt-, Politik- und Sozialforschung GmbH im Auftrag von Fidelity International durchgeführt.

Der Bericht offenbarte außerdem mangelnde Kenntnisse der Deutschen hinsichtlich der Höhe ihrer gesamten Altersbezüge. Die Folge ist eine unzureichende Absicherung des Alters. So tappen 71 Prozent der Befragten hinsichtlich ihrer Altersbezüge im Dunkeln, während etwa vier von fünf Deutschen zu starker Überschätzung des gesetzlichen Rentenanspruchs neigen. Mehr als 40 Prozent erwarten 80 bis 100 Prozent ihres Nettolohns. Nach Fidelity-Berechnungen liegen die Einkünfte im Alter jedoch im Schnitt bei lediglich 56 Prozent des letzten Einkommens vor dem Ruhestand.

Christian Wrede, dem Sprecher der Geschäftsführung von Fidelity International in Deutschland scheint dieser Zustand besorgniserregend: „Die Vernachlässigung der betrieblichen Altersvorsorge muss ein Ende haben“, mahnt er. In Deutschland stammen 4 Prozent der gesamten Bezüge für das Alter aus der betrieblichen Altersvorsorge. Wrede plädiert für eine deutliche Stärkung dieses Anteils: „Wenn wir verhindern wollen, dass die Deutschen ihren Lebensstandard im Alter dramatisch zurückschrauben müssen, sind hierzulande Werte von 25 bis 30 Prozent unumgänglich.“ Da die staatliche Rente nach Angaben der Studie rückläufig ist, drohe ohne Stärkung der privaten und betrieblichen Vorsorge eine Rentenlücke.

Besserungsbedarf sieht die Untersuchung vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse vor allem auf dem Gebiet der Kommunikation und Information. „Transparenz und damit Aufklärung kann dazu beitragen, dass die mangelnde Vorsorge fürs Alter nicht zur Imlosion unseres Sozialsystems führt“, fasst Christian Wrede zusammen. Parallel werden allerdings ebenso Flexibilität bei Arbeitsplatzwechsel sowie eine Erhöhung der Renditechancen angemahnt. Hintergrund: Jeder Vierte schreckt wegen zu geringer Flexibilität vor dem Abschluss der bAVzurück und mehr als die Hälfte der Deutschen finden vor allem die Balance von Ertrag und Sicherheit bei der Entscheidung für ihre Altersvorsorge wichtig.

 

von: Dorothea von Gottberg

VN:F [1.9.15_1155]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.15_1155]
Rating: 0 (from 0 votes)