Keyman-Police: So wird der Ausfall von Mitarbeitern versichert

So wird der Ausfall vom Mitarbeitern versichert:

Schicksalsschläge sind unberechenbar. Wenn Chefs oder Spitzenkräfte unerwartet ausfallen, fehlt Unternehmen nicht nur ihr Wissen, sondern auch ihre wertvolle Arbeitskraft. Zumindest dagegen gibt es aber eine Versicherung.

Genauso hatte sich Manfred Müller den Mann vorgestellt, mit dem er die internationale Abteilung seines Metallbaubetriebs aufbauen wollte: Diplom-Ingenieur Marcus Frisch war verhandlungssicher in mehreren Sprachen, als Dozent einer technischen Hochschule mit besten Kontakten zu Wissenschaft und Forschung ausgestattet und hatte eine Menge Erfahrung im Aufbau ähnlicher Projekte.

Obendrein war Frisch erst 41 Jahre alt. Mit einem Mann in diesem Alter kann man langfristig planen, dachte Müller. Trotzdem, ganz der vorsichtige Kaufmann, schloss er eine Keyman-Police ab. Eine Versicherung, die einspringt, wenn ein Mitarbeiter in Schlüsselpositionen (ein „Keyman“) auf lange Zeit oder für immer ausfällt, durch Krankheit, Unfall oder Tod. Egal ob es sich dabei um den erfahrenen Produktionsleiter handelt, den Alleinherrscher über die komplexe Firmen-IT oder den charismatischen Topverkäufer.

Im Schadensfall zahlt die Versicherung an das Unternehmen. Das kann beispielsweise einen Interimsmanager anheuern, einen Headhunter mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragen, Qualifizierungskurse für einen internen Nachfolger finanzieren oder andere Mitarbeiter dafür vergüten, dass sie zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen.

Aufwendige Mehrarbeit

Wie sinnvoll dieses Sicherheitsnetz sein kann, erlebten die Chefs der Düsseldorfer Unternehmensberatung MBB Consult. Einer der Geschäftsführer brach sich beim River-Rafting den Halswirbel und fiel fast ein Jahr lang aus. Das Unternehmen ist auf Sanierungen und Restrukturierungen spezialisiert. Das sind komplexe Projekte, bei denen nicht jedes Detail dokumentiert werden kann, um eine reibungslose Übergabe an einen Kollegen zu ermöglichen. Die Folge: Die übrigen Geschäftsführer mussten sich aufwendig in die Materie einarbeiten und hatten weniger Zeit für eigene Aufgaben. „Darunter hat das Unternehmen gelitten“, sagt Hattenbach.

Die Berater zogen die Konsequenz: Inzwischen haben sie für alle vier Geschäftsführer Keyman-Policen abgeschlossen, die bis zum Rentenalter laufen, auch um die Kosten für einen ausfallenden Geschäftsführer zu ersetzen. Denn die sind hoch, im Schnitt dreimal so hoch wie sein Jahresgehalt. „Allein ein Headhunter kassiert bis zu 1,5 Jahresgehälter an Gebühr“, sagt Axel Salzmann, Mitglied der Geschäftsleitung beim internationalen Versicherungsmakler Oskar Schunck.

Noch einmal die gleiche Summe kann fällig werden, wenn die Firma für sechs Monate einen Interimsmanager einkauft, sagt Jörn Bandemer, Geschäftsführer von Hanse Interim Management, dessen Unternehmen auf die Vermittlung von Interimsmanagern an Mittelständler spezialisiert ist. Manchmal müssen Unternehmen auch Umsatzeinbußen abfedern, weil verunsicherte Kunden nach dem Unglücksfall abspringen oder Aufträge nicht fertiggestellt werden können.

Vielen ist es unangenehm, über den Tod zu sprechen“

Trotz solcher Gefahren haben noch nicht allzu viele Unternehmer eine solche Versicherung abgeschlossen. Das könnte daran liegen, dass es vielen Chefs unangenehm ist, mit ihren Schlüsselfiguren über Tod und Krankheit zu reden oder ihnen gar zu sagen, wie viel ihr Leben der Firma wert ist, sagt Karin Jans vom Bund versicherter Unternehmer (BVU). Um dieses Gespräch kommen sie aber nicht herum, „denn der Mitarbeiter muss grundsätzlich zustimmen“.

Der Keyman muss ausführliche Angaben zu seinem Gesundheitszustand machen. Bei Lebensversicherungen muss er auch Auskunft über riskante Hobbys wie Motorradfahren oder eben River-Rafting geben. Auf diese Daten hat der Arbeitgeber keinen Zugriff, doch durch die Höhe der Prämien kann er Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand oder das Privatleben seines Mitarbeiters ziehen

Was die Versicherung kostet:

Die Kosten für die Police richten sich vor allem nach solchen Risiken. „Die teuerste Variante ist die Dread-Disease-Police“, sagt BVU-Expertin Jans. Das sind Versicherungen gegen schwere Erkrankungen (englisch: dread diseases) wie zum Beispiel Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall. Einige Anbieter decken auch Unfallfolgen wie Erblindung oder Sprachverlust ab sowie die Folgen von Operationen wie das Legen eines Bypasses. Gezahlt wird unabhängig von den Heilungschancen. Der Versicherungsfall tritt ein, sobald die Krankheit diagnostiziert wird.

Metallbau-Chef Manfred Müller entschied sich für die Dread-Disease-Variante. Bei einer Versicherungssumme von 2,5 Mio. Euro zahlte er jährlich 12.180 Euro. Gut angelegtes Geld, denn vier Jahre nach Vertragsabschluss erkrankte der Ingenieur an Krebs, und die Versicherungssumme wurde ausbezahlt – deshalb sind die Namen des Unternehmers und seines Mitarbeiters hier geändert.

Geld hilft, aber natürlich geht es nicht nur um Geld. „Der Verlust von Wissen und Netzwerk ist nicht versicherbar“, sagt Interimsmanager­-Vermittler Bandemer. „Dafür braucht man auf der Führungsebene den Transfer von strategischem Wissen.“ Auch Jürgen Reker, Mittelstandsexperte beim Wirtschafsprüfungsunternehmen Deloitte, sieht Keyman-Policen skeptisch: „Wenn ich vermeiden möchte, dass mein Betrieb abbrennt, reicht es nicht, eine Feuerversicherung abzuschließen.“ Zu 70 Prozent, so Rekers Empfehlung, sollten Wissen und Können der Schlüsselfigur durch Ersatzleute abgedeckt sein. „Ob sich für 30 Prozent unternehmerisches Restrisiko dann eine Versicherung lohnt, ist letztlich eine Preisfrage.“

Quelle: Kirstin von Elm, Impulse

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