Betriebsrente (bAV): Skandalöser Informationsstand der Arbeitnehmer

31.05.2011 – Über die Hälfte aller Arbeitnehmer kennen scheinbar ihren Anspruch auf eine geförderte Betriebsrente per Entgeltumwandlung nicht. Das geht aus einer Umfrage des Kölner Marktforschers YouGovPsychonomics hervor, für die1.328 Arbeitnehmer interviewt wurden. Auf die Frage, ob ihr Arbeitgeber prinzipiell eine betriebliche Altersversorgung (bAV) anbietet, antworten 42 Prozent mit „nein“ und 13 Prozent wussten es nicht. Dabei ist die staatliche geförderte Entgeltumwandlung seit Jahren gesetzliche Pflicht.

„Arbeitgeber müssen über die Möglichkeit einer Entgeltumwandlung jeden Mitarbeiter informieren, auch wenn sie aktiv keine Betriebsrente anbieten“. Das Betriebsrentengesetz regelt die „Betriebsrente“ und den damit verbundenen Rechtsanspruch.  http://www.gesetze.juris.de/betravg/__1a.html
Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter nicht über ihr Recht auf bAV informieren, haben ein hohes Haftungsrisiko. „Wenn der Mitarbeiter später erfährt, dass er sich günstig über seinen Betrieb eine Altersvorsorge hätte aufbauen können, kann er seinen Arbeitgeber verklagen“.
Daher sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter systematisch aufklären und Umfang und Inhalt der Informationen in der Personalakte dokumentieren. Der schlechte Informationsstand der Arbeitnehmer wird auch dadurch deutlich, dass laut Arbeitgeberseite 85 Prozent gegenwärtig ein bAV-Angebot haben.

bAV-Nachfrage verhalten
Daher ist es kein Wunder, dass die Unternehmen in der Regel mit wenigen neuen bAV-Abschlüssen in den nächsten zwölf Monaten rechnen. 16 Prozent der Arbeitgeber rechnen mit Neuabschlüssen, die zwischen sechs und zehn Prozent liegen. Sieben Prozent der Unternehmen, meist größere Arbeitgeber, rechnen mit einem höheren Neuabschlussgeschäft. Auch aus der Arbeitnehmerbefragung geht hervor, dass nur knapp zehn Prozent der Arbeitnehmer zwischen 18 und 55 Jahren in den nächsten zwölf Monaten etwas für ihre Altersvorsorge tun wollen.

„Der Gesamtanteil der vorsorgebereiten Arbeitnehmer liegt bei 31 Prozent“ schreibt der Kölner Marktforscher YouGovPsychonomics. Das hört sich im ersten Moment noch gut an. Doch wer sich die Studie genauer anschaut, stellt fest, dass die zusätzlichen 21 Prozent auf die Antwortkategorie „trifft eher zu“ entfallen. Tatsächlich sind somit 82,6 Prozent aller Arbeitnehmer unsicher oder lehnen für sich eine zusätzliche private Altersvorsorge über den Betrieb einfach ab.

7,8 Prozent können damit sogar überhaupt nichts anfangen und fünf Prozent wissen sogar nicht einmal, ob sie einen betrieblichen Altersvorsorgevertrag (bAV) abgeschlossen haben. Insgesamt ist der Anteil potenzielle Interessierten aber trotzdem scheinbar groß: 63 Prozent sind noch ohne eine bAV. Leider geht aus der Studie auf den ersten Blick nicht hervor, wie viele ohne bAV-Vertrag bereits in welchem Umfang privat vorgesorgt haben.

 

Quelle: VM 31.05.2011

 

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