Berichterstattung zum Thema „Bürgerversicherung“

Guten Morgen liebe Xinger, Facebooker, Instagrammer oder einfach nur Zeitungsleser

heute morgen oute ich mich mal.

Ja ich bin privat versichert und mit mir meine ganze Familie (3 Kinder)! Und ja, ich bin seit 20 Jahren Versicherungsvertreter!

Den beigefügten Artikel aus dem Handelsblatt und viele weitere zum Thema „Abschaffung der Privaten Krankenversicherung (PKV)“ habe ich den letzten Tagen aufmerksam gelesen.

Ich verstehe einiges aber nicht. Warum wird immer über stark steigenden Beiträge der PKV im Alter diskutiert und das Kinder in der PKV einen eigenen Beitrag bezahlen müssen?

Stark steigende Beiträge

Die Beitragsentwicklung des gesetzlichen Krankenversicherungssystems (GKV) von 1970 bis 01.01.2018, dies entspricht ungefähr einem Arbeitsleben, zeigt sehr deutlich und für jeden recherchierbar, dass der Beitrag in GKV in den letzten 48 Jahren um ca. 6%! pro Jahr gestiegen ist, also auch nicht besser oder schlechter als die PKV im Durchschnitt. Der Höchstbeitrag lag 1970 bei 98,40 DM und die Beitragsbemessungsrenze lag bei 1.200.- DM. Der Höchstbeitrag für GKV Versicherte ab 01.01.2018 beträgt 807,56 € pro Monat, ohne das ich Zuzahlungen bei Rezepten, Zahnärzten, Brillen, Massagen und anderen Zuzahlungen beim Arzt und im Krankenhaus sowie IGeL Leistungen hinzu kalkuliere. Ich glaube nicht, dass wenn man Ihnen im Jahr 1970 prognostiziert hätte, „Du, pass mal auf, aber Deine Krankenversicherungsbeiträge könnten im Rentenalter über 1.600.- DM betragen“, das mir hierzu viel Glauben geschenkt worden wäre.

Viele erwidern, „kann doch nicht sein“! ist aber so. Andere wiederum „ja aber da geht ja noch der Arbeitgeber Anteil ab“, korrekt. Das sind 379.- inkl. Pflege. Bleibt noch ein Eigenanteil von deutlich über 400.- € pro Monat. Den Arbeitgeberanteil erhält aber auch ein PKV Versicherter. „Ja, aber als Rentner erhalte ich ja auch einen Zuschuss von der „Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA=Rente)“, korrekt!, den erhalten aber auch die PKV Versicherten und zwar den identischen Zuschuss eines gesetzlich Versicherten bei gleicher gesetzlicher Rente. Selbstverständlich gilt bei Selbstständigen eine differenzierte Betrachtung. Aber wenn sich heute jemand selbstständig macht, ist es nicht selten so, dass er von Beginn an in der gesetzlichen Krankenversicherung direkt schon mal mit dem Höchstbeitrag eingestuft wird. Beamte lass ich jetzt mal raus, das ist ein ganz anderes Thema.

Für Kinder muss ein extra Beitrag in der PKV bezahlt werden

Nun kommen wir zu dem Thema Kinder. Immer wieder heißt es, „die PKV ist mit Kinder nicht zu bezahlen, bzw. für Kinder muss immer ein extra Beitrag gezahlt werden“. Wie gesagt ich habe 3 Kinder und zahle für jedes meiner Sprösslinge 110.- € pro Monat = 330.-€. Ja, das ist schon ein Ding! Aber, wie lange muss ich diesen Beitrag denn zahlen? So lange wie das Kind nicht selbst versichert ist. Also bis es einen eigenen Beruf ausübt und somit erst einmal Pflichtversichert wird in der GKV über den dann vorhanden Arbeitgeber! Mmhh, dass bedeutet aber doch, wenn ich in Rente bin und meine 3 Kinder einen eigenen Job ausüben, dass ich pro Monat 330.- € weniger für meine PKV bezahle?! Richtig! Ok, ist das in der GKV eigentlich auch so, das wenn meine Kinder selbstversichert sind, weil sie arbeiten gehen, mein Beitrag reduziert wird, es sind dann ja 3 Personen weniger zu versichern? Nein, in der GKV bleibt mein Beitrag unverändert hoch! Ach so! Bedeutet, ich weiß also heute schon das ich im Alter mindestens 330.- € weniger Beitrag zahle, weil ich Kinder habe!

Was war nochmal Krankengeld und wie viel gibt es hier eigentlich

Was mir auch immer fehlt bei der Betrachtung ist das Thema Krankengeld. Dieser Punkt ist eigentlich einer der wichtigsten bei der Überlegung ob ich mich privat versichern will oder sogar soll. Grundsätzlich erhalte ich i.d.R. eine Lohnfortzahlung bei Krankheit für die Dauer von 42 Tagen (6 Wochen), also relativ kurz. Dann erhalte ich Krankengeld. Als gesetzlich Versicherter erhalte ich 90% vom letzten Nettogehalt, maximal ca. 90.- € pro Tag, dies sind ca. 2.700.- € pro Monat. Denn diese Leistung wird gedeckelt auf die jeweils gültige Beitragsbemessungsgrenze (BBG=4.425.- €). Und was ist wenn ich mehr verdiene als 4.425 € Brutto? Pech! Und wenn Sie 100.000.- € pro Monat verdienen würden, im Krankheitsfall erhält niemand mehr als diese 2.700.- € Netto. Ok, und wie ist das bei den Privaten? Hier können Sie Ihren tatsächlichen Nettoverdienst absichern! Das heisst also, dass ich im Krankheitsfall der länger als 42 Tage dauert, keine finanziellen Einbußen von mehreren Hundert oder sogar Tausend Euro hinnehmen muss! Korrekt, wenn Sie es vereinbart haben mit Ihrer PKV, kann ihr tatsächliches Netto in voller Höhe abgesichert werden, zusätzlich auch der Arbeitgeberanteil, der bei PKV Versicherten im Krankheitsfall wegfällt. Anbei noch ein kleines witziges Filmchen zum Thema, speziell für Unternehmer bzw. Geschäftsführer. Bitte unbedingt berücksichtigen, wir reden hierzu über Menschen, die sich privat versichern können, weil sie mehr als 4.950.- € pro Monat bzw. 59.400,-€ pro Jahr verdienen (Selbständige und Beamte ausgenommen).

Welche Einkünfte sind eigentlich als Rentner krankenversicherungspflichtig?

Das ist nicht ganz so einfach. Hier kommt es im Rahmen der 9/10 Betrachtung in der GKV darauf an wie lange man freiwillig versichert war. Grundsätzlich gilt für die Meisten, man muss Beiträge zahlen auf die Einkunftsart „gesetzliche Rente“ sowie „Versorgungsbezüge/Betriebsrente“. Dazu können noch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und Kapitaleinkünfte (Zinsen, Dividenden etc) sowie weitere Einnahmen wie Land u. Forstwirtschaft usw. hinzu kommen und beitragspflichtig sein. Und wie ist das bei der Privaten? Hier spielt es keine Rolle welche Einkommen ich habe und wie hoch Diese sind pro Monat! Aha, und was bedeutet das nun? Sollte ein GKV Versicherter im Rahmen der oben beschrieben Aspekte, Einkünfte aus Renten, Betriebsrenten usw. in Höhe der gültigen BBG haben, 4.425.- € pro Monat in 2018, dann zahlt er den Höchstbeitrag, also 807,56 € pro Monat, abzüglich des Beitragszuschuss 7,3% bezogen auf die Einkunftsart „gesetzliche Rente“; z.Bsp. 2.000.- € gesetzliche Rente = Beitragszuschuss zur KV in Höhe von 146.- € pro Monat. Diesen Zuschuss hätte der PKV Versicherte bei gleicher Rentenhöhe, wie oben erläutert, ebenfalls.

Fazit

Ja, ich bin bekennender PKV Versicherter und das aus wesentlich mehr Gründen als „beim Arzt bekomme ich schneller einen Termin“ .

Ja, ich bin Versicherungsvertreter und lebe von dem Verkauf von Versicherungsprodukten an unsere Mandanten und ich bin es mit Leidenschaft und sehr gerne! Wie viele Andere die Ihren Beruf gerne und mit Leidenschaft ausüben, zum Beispiel Politiker, Beamte, Banker, Immobilienmakler, Zeitungsredakteure, Krankenpfleger, Busfahrer, Lehrer, Kindergärtner usw usw.. (immer auch die weibliche Form).

In unserem Berufsstand, tragen wir so mit vielen anderen in Deutschland tätigen Kollegen, dazu bei, dass das, was der Staat an sozialer Verantwortung nicht mehr wahrnimmt, nämlich seine Bürger ordentlich über die sozialen Sicherungssysteme abzusichern, abgedeckt wird. Beispielhaft nur mal die Themen Rente, Berufs-/Erwerbsunfähigkeit, Pflege, Krankenversicherung (Zähne etc.) u.v.m genannt. Unseren Berufsstand würde es doch gar nicht benötigen wenn der Staat seine Verantwortung hier übernehmen würde. Statt dessen soll der mündige Bürger diese Risiken privat absichern und Eigenverantwortung übernehmen…… Wenn das aber so ist, dann bestehe ich auf eine differenzierte Betrachtung des PKV Systems und Versicherungssystems, ohne Polemik und Gorillagebrüll von Menschen mit Fliegen, die sich gerne und oft ins Fernsehen pressen und Ihren eigenen Kampf gegen das PKV System kämpfen, ohne bei den Fakten zu bleiben und ohne zu Berücksichtigen das in diesem System Hunderttausende Arbeitsplätze bestehen, bei denen Sozialversicherungsbeiträge abgeführt und Steuern gezahlt werden.

Um mich richtig zu verstehen, es ist nicht alles Gold was glänzt auch im PKV System nicht, aber genauso auch im GKV System. Und ja, in unserem Berufsstand gibt es einiges zu kritisieren und auch schwarze Schafe und das muss angegangen und unterbunden werden. Aber, was ist mit VW, Siemens, Schlecker, Air Berlin, Banken, Politikern, Pflegediensten, Abrechnungsbetrug im gesetzlichen System, Werkverträge, Leih und Zeitarbeit, Einhaltung des Mindestlohns, maroden Schulen, Umweltschutz, bezahlbarer Wohnraum, Einwanderung, marode Brücken und Autobahnen, Berliner Flughäfen, Energieunternehmen, usw. usw. usw.? Ich habe mal gehört „wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein“. Ich denke das es eine Menge zu kritisieren bzw. anzugehen gibt, sachlich, kritisch aber nicht polemisch und das in vielen Bereichen unserer Republik. Und Manches wäre sicher auch wichtiger sich damit zu beschäftigen, denn im PKV System sind „nur“ ca. 8 Mio Menschen versichert, ca 80 Mio Menschen sind aber von all den oben beschrieben anderen Punkten betroffen.

In diesem Sinne, gehe ich jetzt zu einem unserer Kunden und bedanke mich sehr selbstbewusst, für die qualifizierte Zusammenarbeit im vergangenen Jahr.

Allen ein besinnliches Fest und vor allem ein gesundes neues Jahr.

Alexander Leuthner

P.S. Wenn ich jetzt Jemanden Lust gemacht habe auf eine Private Krankenversicherung, stehe ich gerne für eine qualifizierte Beratung in den Bereichen Private Krankenversicherung sowie Betriebsrenten zur Verfügung. 😉

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